Wrobel, Johannes: Die frühen Bibelforscher und ersten Veröffentlichungen der Zeugen Jehovas in Pennsylvanien und Deutschland um das Jahr 1900, in: Waldemar Hirch (Hg.), Die Zeugen Jehovas in der DDR - "Zersetzung" einer Religionsgemeinschaft, Niedersteinbach 2001, S. 96-126.
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Nach der Gründung der
englischen Bibelforschergemeinden in den 1870er Jahren im amerikanischen
Bundesstaat Pennsylvanien entstand dort um 1890 in Allegheny (heute Pittsburgh)
die erste deutsche „Versammlung“ (Gemeinde). Von den deutschen Bibelforschern in
Pennsylvanien ging vor 1900 die Missionierung mit Bibelforscher- und
Wachtturm-Schriften in Deutschland aus.
Die Tätigkeit der frühen
deutschen „Bibelforscher“ (engl. Bible Students; seit 1931 Jehovah’s Witnesses,
Jehovas Zeugen) in den Vereinigten Staaten vor und kurz nach 1900 läßt sich
heute nur unvollständig aus Leserbriefen und Bemerkungen in den Zeitschriften
der Religionsgemeinschaft Zion’s Watch
Tower (ab 1879, später The Watchtower)
und Zions Wacht Turm (ab 1897, später
Der Wachtturm) rekonstruieren. Die
Biographien von Otto Albert Koetitz, Adolf Weber, Margarethe Giesecke, Hermann
Herkendell und anderer früher Bibelforscher werfen Licht auf die Entstehung der
ersten Gemeinden der Religionsgemeinschaft in Deutschland.
Im 18. und 19. Jahrhundert
entstanden unter den Einwanderern im freiheitlichen Amerika eine Anzahl neuer
christlicher Gruppen und Kirchen. Diese Menschen – sie hatten aus Sehnsucht
nach religiöser Freiheit und Toleranz Europa den Rücken gekehrt – waren tief
religiös und nicht selten ernsthafte Erforscher der Bibel. Sie wünschten, das
Ursprüngliche – das Urchristentum des „Neuen Testaments“ – zu entdecken und zu
beleben und lösten sich daher von Traditionen und Dogmen der Großkirchen.
Eine solche christliche
Gruppe widmete sich in den 1870er Jahren in Allegheny und Pittsburgh einem
unabhängigen Bibelstudium. Der Gründer der Bibelstudiengruppe war der junge
Charles Taze Russell (1852-1916). Er war kein Religionsgründer, sondern suchte
wie seine Mitverbundenen das Urchristentum wiederzubeleben und die überall
zerstreuten wahren Christen („Weizenchristen“) in der sogenannten „Erntezeit“
mit „geistiger Speise“ zu erreichen, zu [Seite
97] sammeln und sie zu motivieren, das Evangelium oder die „gute Botschaft vom
Reich Gottes“ zu verkündigen.[1]
Diese Gruppe der ersten
„Bibelforscher“ kam zu dem Ergebnis, daß viele Lehren und Traditionen der
etablierten Kirchen das Ergebnis des von Christus und den Aposteln
vorhergesagten „Abfalls“ vom wahren Christentum waren.[2] Die Prophezeiungen der Bibel ließen ihrer Meinung nach
erkennen, daß die urchristliche, wahre Lehre zur bestimmten Zeit klar zum
Vorschein kommen würde, und sie waren davon überzeugt, daß die Zeit dafür nun
herbeigekommen war. Ihrer Meinung nach leuchtete ihnen das „Licht der Wahrheit“
allerdings nur allmählich oder fortschreitend immer heller.[3]
Das Fortschreiten eines
genauen Verständnisses der Bibel bzw. der „Wahrheit“ gehört bis heute zu den
Grundlehren der Religionsgemeinschaft. Erwartungsgemäß kommt es von Zeit zu
Zeit zu Änderungen oder Feinabstimmungen im biblischen Verständnis, doch die
Grundlehren über Gott, Jesus Christus, sein Lösegeld und den heiligen Geist
waren von Anfang an ziemlich klar umrissen. So erklärten die Bibelforscher, daß
die verheißene „Wiederkunft“ Jesu Christi (Parusie,
„Gegenwart“, im Sinne einer Zuwendung der Aufmerksamkeit des gekrönten Christus
zur Erde) für menschliche Augen unsichtbar sei und daß in Verbindung mit seinem
zweiten Kommen (dessen Beginn zunächst auf 1874 datiert wurde) das Jahr 1914
eine Rolle in der biblischen Prophetie spielen würde, wobei es nicht zu einer
Weltvernichtung, sondern zu einer Segnung von [Seite 98] Menschen
kommen sollte. Hatte Jesus seine treuen Nachfolger nicht ermahnt, auf das Reich
Gottes, das alle irdischen Probleme lösen würde, zu warten, also in ständiger
Naherwartung des kommenden Millenniums zu sein?[4] Zu den damals wiederentdeckten biblischen Lehren
gehört, daß die „Seele“ sterblich und „Jehova“ der Eigenname Gottes (1881), die
Dreieinigkeitslehre unbiblisch (1882) und die biblische „Hölle“ das Grab (1883)
ist.[5] Dennoch wurde damals weniger auf Lehren als auf die
Entwicklung einer christlichen Persönlichkeit (Charakter) Wert gelegt.
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C. T. Russell, der
führende Bibelforscher in der Gruppe von Allegheny und ab 1884 der erste
Präsident der Verlagsgesellschaft der Religionsgemeinschaft (Watch Tower
Society, Wachtturm-Gesellschaft),[6] opferte mit der Zeit sein nicht unbeträchtliches
Vermögen der öffentlichen Verbreitung dieser „neugelernten Wahrheiten“, wie er
es nannte, doch legte er Wert darauf, daß dies später hauptsächlich durch
freiwillige Beiträge oder Spenden finanziert werden sollte.[7]
Die Bibelforscher machten
die „neugelernten Wahrheiten“ durch kostenlose Traktate[8] und Broschüren[9] sowie ab dem Frühjahr 1879 durch ihre Zeitschrift Zion’s Watch Tower allgemein bekannt.
Der Verfasser der Artikel und Predigten war hauptsächlich C. T. Russell,
wenngleich auch andere Bibelforscher als Autoren genannt werden.
C. T. Russell schrieb
und veröffentlichte 1896 das Buch The
Divine Plan of the Ages (Der göttliche Plan der Zeitalter), den
1. Band der siebenteiligen Bücherserie Millennium-Tagesanbruch,
die später Schriftstudien genannt
wurde – damals das maßgebliche Bibelstudienhilfsmittel der
Religionsgemeinschaft.[10] Drei weitere Bände folgten in den Jahren 1889 und
1891. (In den Jahren 1897 und 1904 folgten weitere Bände, die letzte Ausgabe
erschien 1917.)
Allein in den Vereinigten
Staaten wurden 1891 rund 85 000 Exemplare der drei ersten englischen Bände
verbreitet, hauptsächlich durch die „Kolporteure“ (heute „Pioniere“ oder
Vollzeitprediger genannt).[11] Bis April 1904 waren von Band 1 (der außer in Englisch
und Deutsch auch in Schwedisch, Dänisch, Norwegisch, Französisch und Italienisch
zur Verfügung stand) insgesamt über 1 Million Exemplare verbreitet.[12]
Ende der 1880er Jahre waren
die Räumlichkeiten der Religionsgemeinschaft in Allegheny zu klein geworden.
Inzwischen war die Watch Tower Society gegründet worden, und C. T. Russell
beschloß, ein eigenes Gebäude errichten zu lassen. Damals gab es
18 Mitarbeiter der Gesellschaft, die unter der Leitung des Präsidenten und
der Direktoren der Watch Tower Society arbeiteten. Im Jahre 1889 ging der Bau
des vierstöckigen Gebäudes in Allegheny der Vollendung entgegen.[13] Darin befand sich ein Versammlungssaal für 200
Personen, eine kleine Druckerei, die Redaktionsabteilung, Wohnräume sowie ein
Literaturversand und ein Straßenladen. Das Gebäude diente 20 Jahre lang als
Hauptbüro und wurde als „Bibelhaus“ bezeichnet.[14] Im Jahre 1909 wurde der Sitz der Religionsgemeinschaft
von dem relativ unbekannten Allegheny in die Weltstadt New York (Brooklyn)
verlegt und „Bethel“ genannt.[15]
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Im Jahre 1891 betrug die
monatliche Verbreitung des englischen Watch
Towers durchschnittlich 10 000 Exemplare, worauf auf etwa 15 000
Leser geschlossen wurde. Es gab auch über 100 deutsche Leser.[16] Die Religionsgemeinschaft machte folgende Bemerkung im
Watch Tower vom Januar 1891: „Auf
Grund der Briefe, die wir erhalten, schätzen wir, daß von diesen Lesern, die in
allen Teilen der Welt zerstreut leben, etwa viertausend dem Herrn ‘völlig
geweiht’ sind und ihre Talente dazu gebrauchen, ihn nach bestem Vermögen zu
lobpreisen. […] Und wenn 4 000 jetzt lebende Personen dem Herrn völlig
geweiht und treu sind, die sich innerhalb der letzten zehn Jahre soweit
entwickelten, würde dies anzeigen, daß wir in den letzten zehn Jahren jährlich
im Durchschnitt um 400 Personen zugenommen haben.“[17]
Zu den Lesern der
Bibelforscher-Schriften C. T. Russells gehörten in den Vereinigten Staaten
neben anderen Volksgruppen auch deutschsprachige Einwanderer und ihre
Nachkommen, nachweislich seit den 1880er Jahren. Ein Leser aus Berne,
Pennsylvanien, bat 1882 um die Veröffentlichung eines Traktates in deutscher
Sprache.[18] „Tausende warten auf ein solches Traktat. Ich könnte
Tausende von Exemplaren zu ihrem Nutzen verteilen“, schrieb er begeistert. Die
Redaktion der Watch Tower Society forderte daraufhin deutschsprachige
Bibelforscher auf, sich für die Übersetzung der Oktobernummer des Watch Towers von 1882, einer
Missionsausgabe, zur Verfügung zu stellen.[19]
Ein Engpaß in der
„Traktatkasse“ verhinderte die sofortige Ausführung des Vorhabens. Diese
Spendenkasse finanzierte durch freiwillige Spenden die Herstellung von
Traktaten (in Englisch und anderen Sprachen) und die kostenlose [Seite 101] Zusendung
an Arme. Um den Druck und die Verbreitung der deutschen Schriften besser
fördern zu können, wurde 1883 die Gründung einer „deutschen Traktatkasse“
bekanntgegeben. Sobald die Summe von 200 Dollar erreicht sein würde, sollte der
Druck deutscher Traktate beginnen.[20] Doch die Unterstützung ließ zunächst zu wünschen
übrig. Bis Februar 1885 hatte die deutsche Traktatkasse erst Spenden in Höhe
von 126,54 Dollar erhalten. Immerhin stellten sich Deutsche für
Übersetzungsarbeiten zur Verfügung. (Die Herstellung von schwedischen Traktaten
und von vier Probenummern des Watch
Towers in Schwedisch konnte dagegen anlaufen. Es gab etwa 800 schwedische
Leser.)[21]
Selbst ohne zunächst
Schriften in ihrer Muttersprache zu besitzen nahm die kleine Gruppe der
Deutschen in Nordamerika, die die Lehren der Bibelforscher annahmen, an Größe
zu. Am 5. Februar 1885 schrieb ein nicht namentlich genannter Leser an
C. T. Russell: „Das Geld, das ich gesandt habe, kannst Du, wie immer Du
möchtest, zum Verbreiten der großartigen Wahrheiten verwenden. […] Ich habe
vor, unter meinen (deutschen) Landsleuten zu missionieren […] Die herrliche
Wahrheit, die seit einem Jahr in mein Herz durch die ‚Speise‘ scheint, wird
heller und heller. […] Ich würde diese herrliche Wahrheit gern unter meinen
Landsleuten verbreiten. Ich stoße bei einigen auf großen Widerstand, andere
nehmen sie bereitwillig auf. Ich bin immer noch in der (deutschen)
Methodistenkirche, doch predige und spreche ich privat und öffentlich über die
herrliche Wahrheit. Was aus mir werden wird, der Herr weiß es – ich nehme an,
daß man mich hinauswerfen wird. Ich würde Dich gern persönlich kennenlernen, um
mit Dir über die Pläne zu sprechen, die ich hege.“[22]
Dann, im weiteren Verlauf
des Jahres 1885, waren die notwendigen Mittel für den Druck einer deutschen
Schrift aufgebracht.[23] Der Jahresbericht erwähnt die stattliche Anzahl von
160 000 Druckseiten in deutscher Sprache ohne die Publikation näher zu
beschreiben oder einen Titel zu nennen.[24] Wahrscheinlich handelt es sich bei dieser Publikation,
wie im Dezember 1882 angekündigt, um die ins Deutsche übersetzte achtseitige
Missionsausgabe des Watch Towers vom
Oktober 1882 und nicht um ein Traktat.[25]
Wann erschienen die ersten
Traktate der Bibelforscher in Deutsch? Einer der frühesten Hinweise auf ein
„German Tract“ (der Begriff scheint nicht nur [Seite 102] Traktate,
sondern ganz allgemein kostenlose „Flugschriften“ zu bezeichnen) im Watch Tower vom Februar 1886 bezieht
sich offenbar auf die oben erwähnte deutsche Missionsausgabe der Zeitschrift.[26] C. T. Russell ließ 1891, nach seinem Besuch in
Deutschland, die Herausgabe deutscher Veröffentlichungen („books and
pamphlets“, Bücher und Flugschriften) vorbereiten.[27] Im Juli 1892 erfolgte im Watch Tower die erste Erwähnung deutscher Traktate in Verbindung
mit einer Erwähnung des 1. Bandes von Millennium-Tagesanbruch
(1888): „Zu ihrem Nutzen [deutsche Freunde, die nicht Englisch lesen können]
wurde auch Band 1 von ‘Tagesanbruch’ ins Deutsche übersetzt und […]
veröffentlicht, ebenso deutsche Übersetzungen der Arp-Traktate.“[28] Gegenwärtig ist allerdings kein deutscher Traktattitel
für die Jahre 1888 bis 1892 nachweisbar.[29] Aus diesem Grund scheint die Watch Tower Society das
Jahr 1894 als das Erscheinungsjahr für das erste deutsche Traktat, so im Watchtower Publications Index 1986-1990,
anzugeben.[30] Es handelt sich dabei um die Übersetzung des
englischen Titels Do You Know? (Weißt
Du?). Weitere deutsche Traktate bis zur Jahrhundertwende sind Warum seid ihr die letzten, den König
willkommen zu heißen? (1895), Lehrt
die heilige Schrift, daß ewige Qual ist der Lohn der Sünde? (1896) und Welches ist das wahre Evangelium?
(1900).[31]
[Seite 103]
Die Resonanz aus der
deutschen Leserschaft auf die deutsche Missionsausgabe des Watch Towers von 1885 ermutigte die Watch Tower Society offenbar zu
weiteren Planungen, denn sie kündigte für Januar 1886 eine monatliche,
achtseitige deutsche Edition der Zeitschrift Watch Tower an.[32] Die Veröffentlichung deutscher Übersetzungen von
ausgewählten Beiträgen aus dem Watch
Tower von Januar 1886 bis Juli 1892 trug wesentlich dazu bei, daß weitere
Deutsche in Amerika die Bibelforscher-Lehren annahmen.
Das Wachstum unter den
deutschen Bibelforschern in Pennsylvanien war auf die eifrige Verteilung der
vorhandenen „tracts“ oder Flugschriften zurückzuführen, was sich meist vor den
Kirchentüren der nominellen deutschen Gemeinden abspielte und dann auf die
Verteilung von Haus zu Haus ausgedehnt wurde. Zu dieser Tätigkeit vor Kirchen,
„Freiwilligendienst“ genannt, hatte man bereits 1884 ermuntert.[33] Bei der Evangelisationstätigkeit fanden neben der
Missionsausgabe des Wachtturms (1885)
ältere Ausgaben der Zeitschrift Verwendung. Im Juni 1889 wies der Watch Tower darauf hin, daß noch
Tausende älterer Ausgaben der deutschen Zeitschrift für die Missionsarbeit vor
den Kirchentüren kostenfrei zur Verfügung stehen.[34] (Spätestens ab 1894 kamen, wie oben erwähnt, deutsche
Traktate hinzu.)
[Seite 104]
Ein deutscher
protestantischer Prediger, der „die frohe Botschaft zuerst durch das deutsche
Traktat („German Tract“) erhielt“, schrieb 1886 an C. T. Russell: „Beiliegend
sende ich mit herzlichem Dank die beiden Predigten zurück, die Du mir gesandt
hast; ich habe auch die deutsche Ausgabe von Z. W. Tower [Zion’s Watch
Tower] erhalten. Sie ist kostbar, und wir sind reichlich dadurch gesegnet
worden. Wir sind von der Wahrheit überzeugt, und ich würde meinen Dienst in
dieser weltlichen Gemeinde und in der nominellen Kirche sobald als möglich
aufgeben. […] Bitte sende mir regelmäßig drei Ausgaben des deutschen Towers“.[35]
Der Übersetzer dieses
Briefes war der Deutsche Otto von Zech, der mit der Zeit das Vertrauen
C. T. Russells genoß und ein prominenter Bibelforscher wurde. Er
übersetzte die im Watch Tower
abgedruckten Briefe deutscher Leser und war für die Herausgabe der kleinen
deutschen Edition der Zeitschrift verantwortlich. Im Jahre 1888 erfolgte durch
Otto von Zech die Übersetzung des 1. Bandes der Millennium-Tagesanbruch-Serie, dem damals wichtigsten
Bibelstudienhilfsmittel der Bibelforscher.[36] Es gelang ihm, die deutsche Übersetzung in relativ
kurzer Zeit zu bewältigen, was der Vater C. T. Russells in einem
Leserbrief lobend hervorhob.[37] Bis April 1888 waren 500 Exemplare von Band 1,
der auch leihweise versandt wurde, bestellt worden. Die Leser des Watch Towers wurden ermuntert, das Buch
an deutsche Freunde zu senden.[38] Eine unbekannte Anzahl Bände gelangte so nach
Deutschland. Im September 1888 standen 1 000 deutsche Exemplare in
broschierter Form zur Verfügung.[39]
Von Zech stellte schließlich
1891 die deutsche Übersetzung des 2. Bandes der Serie fertig, was
C. T. Russell im Watch Tower lobend
erwähnte. (Der Druck erfolgte später, vielleicht 1892 oder 1893.) Gleichzeitig
kam Von Zech in den Besitz der Druckplatten der beiden deutschen
Bibelforscher-Bücher, so daß die Watch Tower Society alle Bestellungen von
Interessierten an ihn weiterleitete.[40] (Als sich die Watch Tower Society 1894 von Otto von
Zech trennte, ließ C. T. Russell beide Bände ab 1895 neu ins Deutsche
übersetzen.)[41]
[Seite 105]
Der Schweizer Adolf Weber
war „einer der ersten, der die Schriftstudien
(damals Millennium Tagesanbruch) in
deutscher Sprache las und für dieselben in Pennsylvanien und den angrenzenden
Staaten arbeitete“.[42] J. W. Weimer, ein Prediger der deutschen
Baptistengemeinde in Connecticut, erhielt im Juli 1888 Tagesanbruch und den Watch
Tower in Englisch und Deutsch und wurde ein eifriger Bibelforscher. In
einem Leserbrief bekundete er seine Bereitwilligkeit, alles zu verlassen, um
sich für die Verbreitung der Wahrheit „aufzuopfern“.[43]
Dank intensiver
Missionsbemühungen nahm die Zahl der deutschen Bibelforscher in Pennsylvanien
weiter zu. Im Februar 1892 waren zum Beispiel im östlichen Teil Pennsylvaniens
zwei Bibelforscherinnen mit Namen Vogel und Boehmer mit der Verbreitung von
Schriften beschäftigt.[44] Und im „Bibelhaus“, dem Hauptbüro der Watch Tower
Society in Allegheny, waren inzwischen deutschsprachige Mitarbeiter, wie Otto
Albert Koetitz und Adolf Weber, tätig.[45] Von diesen Deutschen gingen wesentliche Beiträge zur
Missionierung ihrer Landsleute in den Vereinigten Staaten, der Schweiz und
Deutschland aus.
Watch Tower-Leser
waren, wie oben erwähnt, bereits ab 1888 ermuntert worden, die Millennium-Tagesanbruch-Bände an
deutsche Freunde und in die Heimat zu senden. So empfingen 1893 deutsche
Glaubensbrüder in Württemberg von einem Bibelforscher in den Vereinigten
Staaten mit Namen Link den 1. und 2. Band zugesandt. Sie schickten
daraufhin einen Brief der Wertschätzung an Link und berichteten, daß es in
ihrer Gegend acht größere und kleinere Gruppen von „Geschwistern“ gab, die sonntags
gottesdienstliche Bibelforscher-Zusammenkünfte abhielten.[46]
Im selben Jahr, Juni 1893, erwähnte die Watch Tower Society erstmals, daß ein Bibelforscher nach Deutschland gereist war, um dort unter der Bevölkerung zu missionieren. Es heißt: „Bruder Boehmer, der kürzlich nach Deutschland [Seite 106] ging, schreibt uns, daß er einen Anfang gemacht hat und hofft, seine Auslagen dort bestreiten zu können; falls nicht, wird er sich freudig dem Feldzug in Großbritannien anschließen.“[47] Einige Monate später wurde von einem in Deutschland tätigen Ehepaar Böhmer (Boehmer) berichtet, daß „sie erfolgreich darin sind, mehr hörende Ohren zu finden als wir zuerst erwartet hatten“ und daß man ihnen gleichzeitig großen Widerstand entgegensetzte.[48] Hermann Boehmer kehrte etliche Jahre später mit seiner Frau in die Vereinigten Staaten zurück.[49] Im Dezember 1910 schrieb er von Pennsylvanien aus an das Ehepaar Koetitz in Barmen: „Unsere Gelegenheiten zum Wirken sind doch hierzulande viel reichlicher und erfolgreicher in jeder Weise, als wir sie im Deutschen Vaterlande vorfanden. Ich habe den erschlafften Mut, welchen wir im Zusammenhang mit unseren Versuchen in Deutschland erlitten hatten, durch Gottes Güte wiedergewonnen, und bin seit zirka einem Jahr wieder in der Kolportage und erfreue mich zunehmenden Erfolges. In eurer vormaligen Ortschaft Millvale habe ich mehr als 600 Bände absetzen dürfen. Seitdem wir in den Mittelpunkt von Allegheny gezogen sind, arbeite ich hier in der Nähe. Das Feld ist ja, wie Euch wohl bekannt ist, schon sehr viel und oft bearbeitet worden und ich finde viele erbitterte Feinde der Wahrheit und des Verfassers der Schriftstudien, aber dessenungeachtet ist mein Erfolg sehr befriedigend.“[50]
Der Bibelforscher Otto von
Zech hatte inzwischen in Allegheny Die
Ernte-Sichel, eine eigene monatliche Bibelforscher-Zeitschrift in deutscher
Sprache, herausgebracht. Sie erschien ab Januar 1892 zweimal monatlich und
konnte für einen Dollar im Jahr abonniert werden.[51] Das Erscheinen dieser deutschen Publikation war der
Grund dafür, daß C. T. Russell im Juli 1892 den Druck des „German Towers“,
der kleinen deutschen Edition des Watch
Towers, nunmehr für überflüssig hielt und die Herausgabe zunächst
einstellte. Gleichzeitig gestattete er Otto von Zech, die deutschen Abonnenten
des „German Towers“ zu übernehmen.[52] Die Trennung von der Watch Tower Society erwies sich
jedoch nicht als glücklich und Otto von Zech nicht als loyaler Mitarbeiter.
Nach einer persönlichen
Verleumdungskampagne, die Otto von Zech gegen C. T. Russell angeführt
hatte, sah sich der Präsident der Watch Tower Society 1894 gezwungen, die
Angelegenheit in einer Sondernummer des [Seite
107] Watch Towers
ausführlich darzulegen und richtigzustellen.[53] Die Watch Tower Society löste daraufhin alle
Verbindungen zu Otto von Zech und seinem Verlagshaus und übernahm wieder selbst
die Führung, was das deutschsprachige Bibelforscherwerk betraf.
Otto von Zech hatte 600
Leser, wovon etwa 200 ehemalige Leser des deutschen Watch Towers waren. Daraus kann man auf die ungefähre Stärke der
deutschsprachigen Gruppe der Bibelforscher Anfang der 1890er Jahre schließen.
Die Gründung einer „German congregation“, einer deutschen Bibelforschergemeinde
oder „Versammlung“, die regelmäßig gottesdienstliche Zusammenkünfte in
Allegheny durchführte, wird um diese Zeit anzusetzen sein. Der Watch Tower verwendet den Begriff
„German congregation“ im Jahre 1894 in Verbindung mit der Rebellion Otto von
Zechs. Als Russell sich von Otto von Zech trennte, verließen einige die Reihen
der Bibelfoscher, wie es heißt, wozu „zehn aus der deutschen Versammlung am
Ort, die kein Englisch verstehen“ gehörten.[54]
Die „Bibelhaus“-Mitarbeiter
Otto A. Koetitz und E. C. Henninges hielten sich zu dieser Zeit, also
1894, eine Zeitlang in Deutschland auf, um zu missionieren.[55] Nach der Rebellion Otto von Zechs, die einige Unruhe
unter den Bibelforschern in den Vereinigten Staaten verursachte, kehrten die
beiden Männer nach Allegheny zurück, da C. T. Russell ihre Dienste dort
benötigte.[56]
Die ersten Bände Millennium Tagesanbruch (später Schriftstudien genannt), deren
Druckplatten im Besitz von Von Zechs waren, sollten neu ins Deutsche übersetzt
und eine deutsche Ausgabe des Watch
Towers geplant werden. Diese Aufgabe wurde Otto A. Koetitz übertragen, der
als Übersetzer und „Hülfsredakteur“ der neuen deutschen Zeitschrift bekannt
wurde, die zum 1. April 1897 erschien. Die Zeitschrift trägt den Titel Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart
Christi. Sie fand unter der deutsch-amerikanischen Bevölkerung [Seite 108] und
später auch in Deutschland ihre Leser. Bis 1904 bezogen in Europa regelmäßig
zwischen 500 und 600 Abonnenten die deutsche Zeitschrift.[57]
Im Jahre 1903 ließ Otto A.
Koetitz die deutsche „Versammlung“ in Allegheny erneut zurück und reiste nach
Deutschland. Das neue Zweigbüro der Watch Tower Society in Elberfeld wurde
seiner ständigen Aufsicht unterstellt. Damit nimmt die organisierte Tätigkeit
der Bibelforscher in Deutschland ihren eigentlichen Anfang.
In Verbindung mit dem Zweigbüro in Elberfeld, Mirkerstr. 45 mietete die Wachtturm-Gesellschaft zum Jahresende 1903 ein Versammlungslokal für regelmäßige gottesdienstliche Zusammenkünfte. Dort fanden jeden Sonntagnachmittag „Andacht, Predigt, Bibelstudium“ statt, und 50 bis 60 Personen nehmen regelmäßig daran teil. In Königsberg und Wermelskirchen versammelten sich 1904 zwischen 30 und 40, in Weidenau 20 bis 25 Bibelforscher. „In mehr als 25 verschiedenen Ortschaften sind Geschwister eifrig an der freien Verteilung [von Schriften] beteiligt“, heißt es.[58] Zu den „Geschwistern“ gehörte Margarete Demut, die 1902 nach Tailfingen kam (sie war in der Schweiz Bibelforscherin geworden) und dort eifrig Traktate verteilte.[59]
Am 23. und 24. April 1905
fand in Elberfeld im Alten Vereinshaus an der Casinostraße „eine
Hauptversammlung von Freunden ‚gegenwärtiger Wahrheiten‘“ statt – der erste
Kongreß der Bibelforscher in Deutschland. Die meisten der etwa 150 Teilnehmer
kamen aus dem Wuppertal.[60]
Neben der Zeitschrift Wachtturm begannen die kostenlosen
Traktate eine immer größere Rolle in Deutschland zu spielen und zur Verbreitung
der Lehren [Seite 109] der Bibelforscher und zu ihrer Bekanntheit unter der
Bevölkerung beizutragen. Die freie Traktatverbreitung in Deutschland und der
Schweiz ist erstmals für das Jahr 1896 (4 000 Exemplare) nachgewiesen.[61] Für Deutschland, wo das „Traktatwerk“ nur allmählich
größere Formen annahm, werden die Jahre 1898 (15 000 Exemplare)[62] und 1900 (10 108 Exemplare)[63] erwähnt. Doch bereits 1904 wurden in Deutschland
offenbar mehr Traktate als in den Vereinigten Staaten verbreitet. Der Bericht
des Hauptbüros über das „Dienstjahr 1904“ hebt hervor, daß unter der deutschen
Bevölkerung über eine Million kostenloser Traktate und Probenummern des
deutschen Wachtturms in Umlauf
gebracht wurden und daß „mit einigen der Wahrheitshungrigen Verbindung
aufgenommen“ werden konnte.[64]
Allerdings wurden die
meisten Traktate in den Jahren 1903 bis 1908 durch das Zweigbüro der Watch
Tower Society in Elberfeld als Beilagen in Tageszeitungen versandt.[65] Das deutsche „Bibelhaus“ war jedoch sehr darauf
bedacht, das „Traktatwerk“ durch Freiwillige zu fördern. Der persönliche
Einsatz beim Evangelisieren, bis heute „Predigtdienst” genannt, wurde im Wachtturm durch den Abdruck einer
„Methode zum Kolportieren von Haus zu Haus“ unterstrichen. Man empfahl, täglich
mindestens 60 bis 80 Familien mit dem Angebot zu besuchen.[66]
Ein Zeitzeuge erinnert sich
an den „Freiwilligendienst“ wie folgt: „Sehr vorteilhaft waren Traktate. Es war
eine leichtere Arbeit für das Zeugniswerk. Zum Beispiel gab man sie
Kirchenbesuchern nach Verlassen der Kirche am Sonntag. Ein weiterer Ansporn in
der Verteilung erfolgte ebenfalls Sonntagvormittag von Haus zu Haus. Waren die
Wohnungen geschlossen, steckte man die Traktate unter die Tür oder in den
Briefkasten. Durch die Vielseitigkeit der Traktatethemen wurden wir immer
wieder aufs neue belebt und erfreut, ferner im Kreise von Freunden und
Bekannten Zeugnis zu geben. Auch diente das Hilfsmittel ‚Speise für denkende
Christen‘ den Predigern selbst zum Segen in [Seite 110] der
Versammlung und war auch eine gute Handreichung in der Verbreitung für jene
Menschen, die ein hörendes Ohr hatten.“[67]
Im April 1905 gab Otto A.
Koetitz im Wachtturm wie folgt einen
Überblick über die Tätigkeit: „Wir wollen auch bei dieser Gelegenheit bemerken,
daß die amerikanischen Geschwister dem deutschen Werk in den letzten anderthalb
Jahren durch freie Beiträge zur allgemeinen ‚Traktatkasse‘ viele tausend Mark
geopfert haben, wofür wir sicherlich alle herzlich dankbar sind. Mehr als
anderthalb Million Wachtturmprospekte sind dadurch zur Verbreitung gelangt und
das Werk in Gang gebracht worden, und der Erfolg ist erfreulich. Viele hungrige
Seelen haben sich gemeldet, und die Zahl derer, die regelmäßig den Wachtturm beziehen, ist auf zirka
tausend gestiegen. Die Verantwortung für die weitere Ausbreitung der Wahrheit
ist nunmehr großenteils auf die fünfzehnhundert bis zweitausend Wachtturmleser
gefallen.“[68]
Nach seiner ersten „Pilgerreise“
(Vortragsreise) berichtete Otto A. Koetitz im Wachtturm vom September/Oktober 1905 über den „Fortschritt der
Wahrheit in Deutschland“ folgendes: „Unsere Beobachtung ist die, daß noch viel
getan werden kann, um dem Volke Gottes das Licht der Wahrheit zu bringen: Denn
wo einzelne Geschwister recht eifrig bemüht sind, ihr Licht leuchten zu lassen
und Probeschriften zu verbreiten, da ist auch das Interesse am größten. Mit dem
Interesse und Eifer wächst aber auch die Opposition, und daraus entsteht die
Gelegenheit, der Wahrheit immer mehr Opfer zu bringen und ‚mit Christo‘ zu
leiden.“[69]
Die Aktivitäten der
Bibelforscher bewirkten, daß sie bereits 1906 Erwähnung in Meyers Konversationslexikon – sie werden dort fälschlich als
„Millenniumsadventisten“ geführt – fanden. Es heißt über sie: „Sie treiben auf
dem Kontinent eine rege Propaganda durch die ‚Wachtturm Bibel- und
Traktat-Gesellschaft‘ in Elberfeld und dem Verlag ‚Aussicht‘ in Thun
(Zeitschriften: ‚Zions Wachtturm‘ und ‚Aussicht‘). 1905 wurden 21 Mill.
Traktatseiten verbreitet, dazu 6229 Bände. Ihre in dem von Russell verfaßten
‚Millenniumstagesanbruch‘ (‚Millennial dawn series‘, Allegheny 1896-99, 6 Bde.)
niedergelegte Glaubensanschauung gipfelt in einer Berechnung der Zeitalter, die
für das Jahr 1914 das Tausendjährige Reich erwartet. In der gegenwärtigen
‚Erntezeit‘ werden die Auserwählten gesammelt, die Gottlosen werden später
vernichtet. [Seite 111] Organisiert ist die Gemeinschaft in losen
Lokalvereinigungen; eine Statistik existiert nicht. Ihr Gesangbuch hat den
Titel ‚Zionslieder‘ (1905).“[70]
Im Februar und März 1906
fanden mehrere „Versammlungen im Interesse der Wahrheit, geleitet von
Vertretern der Wachtturm, Bibel- und Traktat-Gesellschaft, Elberfeld“ statt: In
Wermelskirchen (18. Februar, 4. und 18. März, 1. und
22. April), Remscheid (25. Februar, 11. März, 22. April),
Wanne/Westfalen (4. Februar, 18. März, 29. April) und in
Derschlag (25. März [vermutlich bei Gummersbach]). Ab April 1906 gab
es „bis auf Weiteres“ in Solingen jeden Mittwochabend Zusammenkünfte.[71] Den Kern der Religionsgemeinschaft bildeten vor allem
solche Bibelforscher, die an der jährlich stattfindenden „Gedächtnismahlfeier“
(Abendmahl des Herrn) aktiv teilnahmen. Für die Feier am 8. April
1906 sind folgende Orte bekannt: Berlin (5 Teilnehmer), Dresden (17), Elberfeld
(90), Königsberg (18), Wanne (etwa 40) und Wermelskirchen (etwa 40).[72] Es ist anzunehmen, daß an allen oben genannten Orten,
einschließlich in Elberfeld und Weidenau, die ersten „Versammlungen“ oder
Gemeinden der Bibelforscher in Deutschland gegründet wurden.
Das Büro der
Religionsgemeinschaft wies 1908 – inzwischen waren größere Räumlichkeiten in
Barmen bezogen worden – ausdrücklich darauf hin, daß zur freien Verbreitung von
Traktaten keine staatliche Erlaubnis notwendig war.[73] Erstmals wurden 1909 mehr Traktate durch Freiwillige
verbreitet als durch das Versenden als Beilagen in Zeitungen. (Die
Bibelforscher verteilten durch persönlichen Einsatz über 2,6 Millionen
Traktate, während als Zeitungsbeilagen 986 400 Traktate Verbreitung
fanden.)[74]
Im Mai 1909 besuchte
C. T. Russell das dritte Mal Deutschland. In Berlin hießen ihn 50 oder 60
Bibelforscher willkommen. Seinen biblischen Vortrag „Wo sind die Toten?“ hörten
am 25. Mai 1909 in den „Hohenzollernsälen“ von Berlin 500 Anwesende. (400
Personen konnten in dem zu kleinen Saal keinen Einlaß finden.) Am 26. Mai 1909
sprach C. T. Russell zu etwa 1 000 Anwesenden in Dresden; etwa 70
Bibelforscher hatten zuvor zur Begrüßung bereitgestanden, die Hälfte stammte
aus Dresden. Am 27./28. Mai war der Präsident der Watch Tower Society in
Barmen-Elberfeld, wo er zu etwa 1 000 Personen sprach. Bei der
Abendversammlung sind 300 Bibelforscher anwesend.[75]
[Seite 112]
Der Wachtturm wurde 1909 monatlich an über 3 000 Abonnenten versandt, so daß auf mindestens 5 000 deutsche Leser geschlossen werden konnte. (Etwa 600 Abonnenten erhielten die Zeitschrift gratis.) Von Barmen aus wurden 38 214 Exemplare des Wachtturms und 91 700 Probenummern der Zeitschrift, 9 274 Broschüren und rund 8 000 Bände der Schriftstudien versandt.[76]
Da sich der vorliegende
Beitrag hauptsächlich mit den deutschen Bibelforschern um die Jahrhundertwende
beschäftigt, folgen hier nur noch kurze Hinweise auf die weitere Entwicklung
der Leser- und Mitgliederzahlen:
Bis zum Beginn des Ersten
Weltkrieges 1914 war die Zahl der regelmäßigen Wachtturm- Leser monatlich auf etwa 5 000 Personen gestiegen;
über 52 800 Besucher hörten die insgesamt 262 öffentlichen
Bibelforscher-Vorträge, und über 14 700 Personen, die Gratisliteratur
wünschen, gaben ihre Adressen ab.[77] Am „Gedächtnismahl“ am 10. April 1914 nahmen 1 440
Bibelforscher teil, die sich auf folgende Orte verteilten: Angerburg und
Umgegend (33), Barmen (500), Berlin (133), Breslau (19), Bromberg (30),
Chemnitz (13), Danzig (30), Dresden (103), Erkenschwick (17), Gelsenkirchen
(34), Haiger (13), Hamburg (75), Königsberg (22), Leipzig (29), Mülhausen (43),
Nürnberg (24), Reichenbach (28), Remscheid (23), Siegen (35), Stettin (29),
Stuttgart (22), Teplitz (16), Wermelskirchen (19) und Zwickau (14). Orte mit 10
Teilnehmern und darunter: Biehla, Bremen, Daaden, Freudenstadt, Görlitz,
Holzhausen, Iserlohn, Kiel, Kleschinz, Meerane, München, Neumünster, Posen,
Saalfeld, Stolp und Tübingen.[78]
Bis zum Jahr 1925 stieg die
Zahl der Teilnehmer am jährlichen Gedächtnismahl auf über 23 300 Personen.[79] Im Jahre 1931 änderte die Religionsgemeinschaft ihren
Namen auf „Jehovas Zeugen“. Am 9. April 1933 – Adolf Hitler und seine
Nationalsozialisten hatten begonnen, ihre Macht zu entfalten – nahmen insgesamt
24 843 Personen (185 Teilnehmer im Saargebiet) an der jährlichen Feier zum
Gedenken an den Tod Jesu Christi teil. Kurz darauf begannen die Verbote und
Verfolgung der Religionsgemeinschaft in den deutschen Ländern, wobei die Hälfte
der Zeugen Jehovas Opfer des Nationalsozialismus wurden – durch Haft,
Hinrichtung, Verlust von Kindern (Fürsorgeentzug), des Arbeitsplatzes oder der
Rente.[80] Heute, im Jahre 2000, sind weltweit 6 Millionen Zeugen
Jehovas in 90 000 Versammlungen oder Gemeinden aktiv, davon über
167 000 „Verkündiger“ (Prediger der guten Botschaft) in 2 114
Gemeinden [Seite 113] in Deutschland.[81] Insgesamt wird die Zahl der getauften Zeugen Jehovas
in Deutschland gegenwärtig auf über 192 000 Personen geschätzt.
Es folgen Biographien von einigen
Bibelforschern, die sehr früh eine Rolle in der Geschichte der
Religionsgemeinschaft spielten, und danach eine Kurzübersicht zu einigen
wichtigen Daten dieser Epoche.
Otto A. Koetitz (auch:
Kötitz; geboren am 12. Januar 1873 in Kranichfeld, Sachsen-Weimar) wanderte mit
seinen Eltern 1881 in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Bevor er seine
Ausbildung als lutherischer Prediger beendet hatte, kam er mit den biblischen
Lehren C. T. Russells in Berührung und verband sich mit den ersten
deutschen Bibelforschern in Pennsylvanien.
Im Frühling 1892 wurde der
19jährige Bibelforscher Mitarbeiter im „German Publishing Department“ im
„Bibelhaus“ der Watch Tower Society in Allegheny. Zwei Jahre später, 1894,
unterbrach er für kurze Zeit seinen Dienst und besuchte im Interesse des
„Erntewerkes“ Deutschland.[82] Nachdem Otto von Zech, der deutsche Übersetzer der
Watch Tower Society, eine Verschwörung gegen den Präsidenten der Watch Tower
Society angestiftet hatte, kehrte Otto A. Koetitz, der loyal zu C. T.
Russell hielt, nach Allegheny zurück.[83] Im Jahre 1895 erhielt er vom Präsidenten der Watch
Tower Society den Auftrag, eine Übersetzung der ersten drei Bände der Millennium-Tagesanbruch-Serie zu
beginnen, da die vorhandenen deutschen Übersetzungen der ersten zwei Bücher,
die Otto von Zech vorgenommen hatte, als ungeeignet verworfen wurden.[84] Von April 1897 an war Koetitz Hilfsredakteur der
ebenfalls neu aufgelegten deutschen Bibelforscher-Zeitschrift Zions Wacht-Turm.[85]
Im Mai und Juni 1901 besuchte
er als „Pilgerbruder“ oder reisender Vortragsredner der Watch Tower Society
vier Orte in Pennsylvanien: Avonmore, Brownsville, Butler und Allegheny.[86]
Nachdem C. T. Russell
im Jahre 1903 Deutschland besucht und in Elberfeld (heute ein Stadtteil von Wuppertal)
ein Gebäude für ein Zweigbüro der Watch Tower Society in Deutschland gemietet
hatte, übertrug er A. O. Koetitz die [Seite 114] ständige
Leitung des neuen Büros. Koetitz traf im Oktober 1903 dort ein, zusammen mit
seiner Frau Jennie und Tochter Elfriede (seine Tochter Phoebe wurde 1904
geboren), und er stand von nun an der kleinen „Bethelfamilie“, die sich in
Elberfeld und später in Barmen (ab April 1909) befand, vor. Gleichzeitig war er
für die Veröffentlichung des Wachtturms,
der seit 1903 in Deutschland gedruckt wurde und von Januar 1904 an monatlich
erschien, verantwortlich.[87]
Neben seiner Arbeit als
Landesleiter begann A. O. Koetitz von 1905 an in Deutschland und in der
Schweiz als „Pilgerbruder“ zu reisen. Auf seiner ersten Pilgerreise legte er 3 000
Kilometer zurück und hielt in Reichenbach, Dresden, Berlin, Königsberg, Danzig,
Stettin, Hamburg, Bremen und Leer öffentliche Vorträge.[88] Im Frühjahr 1906 ging er auf eine Vortragsreise in die
Schweiz und kam nach Basel, Bern und Zürich; Vorträge in Stuttgart schlossen
sich an.[89] Kurz darauf besuchte er Gestringen, Bremen, Hamburg,
Kopenhagen, Stettin, Berlin, Guben, Dresden und Reichenbach.[90] Vom Dezember 1909 an unterstützte ihn Hermann
Herkendell als „Pilgerbruder“, da er „die so sehr nötigen Pilgerreisen zu den
verschiedenen Versammlungen nicht mehr allein auszuführen“ vermochte.[91]
Otto A. Koetitz diente bei
Besuchen C. T. Russells als Übersetzer. In Berlin erlitt er 1913 beim
Übersetzen für Joseph F. Rutherford, den Stellvertreter des Präsidenten der
Watch Tower Society, einen Lungenriß.[92] Anfang 1915 wurde Koetitz von Conrad Binkele als
Landesleiter für Deutschland abgelöst.[93] In der Ausgabe vom Februar 1915 findet sich im Wachtturm zunächst der letzte Vermerk
mit seinem Namen: „Für die Redaktion verantwortlich: O. A. Koetitz,
Barmen“.[94]
[Seite 115]
Von Februar bis Juli 1916
gehörte Otto A. Koetitz gemeinsam mit vier anderen Bibelforschern einem von
C. T. Russell eingesetzten Komitee an, dem die Leitung des Werkes in
Deutschland unterstand, und von nun an war Koetitz wieder für die Herausgabe
des Wachtturms mitverantwortlich.[95] Während dieser Zeit reiste er gleichzeitig als
„Pilgerbruder“. Am 24. September 1916 verstarb er im Alter von 43 Jahren. Seine
Ehefrau Jennie kehrte mit den Kindern im Oktober 1916 in die Vereinigten
Staaten zurück.[96]
Der Schweizer Adolf Weber
gehörte zu den ersten deutschsprachigen Bibelforschern in den Vereinigten
Staaten. Er lernte C. T. Russell im Jahre 1890 persönlich kennen und wurde
in der „Kapelle“ des Bibelhauses in Allegheny als Bibelforscher getauft.
Zeitweise arbeitete er als Gärtner für den Präsidenten der Watch Tower Society.
Später kehrte er in seine Schweizer Heimat zurück.[97]
Ab 1896 war Adolf Weber in
seiner Schweizer Heimat missionarisch aktiv und versandte allein in diesem Jahr
innerhalb der Schweiz und nach Deutschland über 4 000
Bibelforscher-Traktate. Er veranlaßte, daß einige Buchhändler in der Schweiz
die drei Bände der Millennium-Tagesanbruch-Serie C. T. Russells in ihr Sortiment
aufnahmen. Ein kirchliches Sonntagsblatt veröffentlichte zweimal kostenlose
Anzeigen für die Serie. Die Bücher wurden an „alle, die die Wahrheit lieben“
auch ausgeliehen, und besonders Arme machten davon Gebrauch. Im Dezember 1896
gingen bei Adolf Weber fast täglich Bestellungen für Wachtturm-Literatur ein.
Daher schlug er dem Hauptbüro in Allegheny vor (sein Brief wurde im Februar
1897 veröffentlicht und kommentiert), baldmöglichst eine deutschsprachige
Ausgabe von Zion’s Watch Tower herauszubringen,
um das wachsende Interesse zu fördern. Die Watch Tower Society ging positiv auf
das Anliegen ein: eine kleine, monatliche Ausgabe des „German TOWER“ sollte
bald erscheinen. Ausschlaggebend dafür sind die Aktivitäten von
Bibelforscherinnen in Deutschland, wie die von Margarete Giesecke, die in
Berlin die Bücher Millennium-Tagesanbruch
verleiht, und man bittet, alle interessierten deutschen Freunde, sich zu
melden.[98]
[Seite 116]
Im April 1897 war es soweit:
Die erste Nummer des deutschen Wachtturms
ist verfügbar. Adolf Webers Name erscheint in der dritten Ausgabe der
Zeitschrift (Juni 1897) als Kontaktadresse für die Schweiz: „Adolf Weber, Halte
du Creux, Convers, St. Neuchatel.“[99] (Noch Jahre später, 1911, heißt es im Impressum der
Zeitschrift über Bibelforscher-Traktate: „Französische und italienische Volkskanzeln zum freien Verteilen
bezieht man gratis von A. Weber, Convers, Schweiz.“)[100] Adolf Weber, „der das französische Werk in Händen
hat“, wurde im Februar 1899 für seine aufopferungsvolle Arbeit – zusammen mit
Margarete Giesecke (Deutschland) und Jos. S. Winter (Dänemark) – lobend
erwähnt.[101] Von 1903 bis 1913 übersetzte Adolf Weber die Bücher Millennium-Tagesanbruch (ab 1905 bzw.
1908 Schriftstudien genannt) und
andere Veröffentlichungen der Watch Tower Society ins Französische. Er
missionierte nicht nur in seiner Schweizer Heimat, sondern auch in Frankreich
und Italien.[102]
In einem Leserbrief schrieb
er 1917: „Ich war auch einer der ersten, der die Schriftstudien (damals Millennium
Tagesanbruch) in deutscher Sprache las und für dieselben in Pennsylvanien
und den angrenzenden Staaten arbeitete.[103] Nächst unserem Herrn war es der liebe Bruder Russell,
der mir ermöglichte, bis zum Jahre 1913 die Studien
und die meisten anderen Veröffentlichungen in französischer Sprache zu
übersetzen. Er erlaubte mir auch, einer der ersten zu sein, der die
gegenwärtige Wahrheit in Europa, und besonders in der Schweiz und Frankreich
einführte. Auch durfte ich ihm bei verschiedenen Gelegenheiten als Dolmetscher
dienen.“[104]
Der Name Margarete E.
Giesecke tauchte im Februar 1897 im Watchtower
mit der Bemerkung auf, daß diese Bibelforscherin eifrig in Berlin die Bände
Millennium-Tagesanbruch verleiht und
Traktate verteilt. Offenbar schlossen sich in [Seite 117] Deutschland
viele Frauen der Religionsgemeinschaft an, denn der Watchtower erwähnt, daß zur gleichen Zeit, also 1896, in einem
Hamburger Krankenhaus eine Krankenschwester mit Namen Mattern und fünf andere
Schwestern regelmäßig C. T. Russells Bücher studierten. Die sechs Frauen
wurden angefeindet und fürchteten, ihre Stellung zu verlieren.[105] (Allerdings kamen nicht nur Frauen zu Bibelstunden
zusammen, sondern auch Männer, zum Beispiel in Württemberg (seit 1893), wie aus
einem Leserbrief hervorgeht.)[106]
Als die Watch Tower Society
zum 1. April 1897 in Allegheny, Pennsylvanien, eine deutsche Ausgabe des Watch Towers mit dem Titel Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart
Christi veröffentlichte, gab es bereits in Berlin, Nürnberger Str. 66 ein
bescheidenes Literaturdepot, das Margarete Giesecke verwaltete und eine kleine
Schar deutscher Leser in Europa versorgte.[107] Ihr Name und ihre Anschrift sind durch die
Impressumseite der ersten deutschen Wachtturm-Ausgabe
bekannt. Aus dem erstmals im Januar 1898 in deutscher Sprache veröffentlichten
Jahresbericht der Watch Tower Society geht hervor, daß monatlich 500 deutsche
Exemplare der Zeitschrift versandt worden sind. Es heißt: „[…] die Zahl der
Tiefinteressierten nimmt allmählich zu.“[108] Margarete Giesecke gehörte zu den Bibelforschern in
Europa, die, wie es 1899 hieß, „schon mehrere Jahre im Harnisch“ waren und die
Last der Missionierung trugen.[109]
Die erste Ausgabe des Wachtturms ermunterte die Leser bereits
zum Missionieren: „Diese [Traktate], sowie Vorgänge des ‚Wacht Turm‘ senden wir
allen denen umsonst, die sie sorgfältig austeilen wollen. Dieselben werden aus
einer allgemeinen Kasse bezahlt, welche als ‚Wacht Turm Traktat-Kasse‘ bekannt
ist, und für welche nur freiwillige Spenden willkommen sind.“[110] Doch Margarete Giesecke blieb auf finanzielle
Unterstützung aus Übersee angewiesen. „Unser Interesse für die deutschen
Glaubensfreunde (uns noch unbekannt) hat nicht abgenommen, sondern vielmehr
zugenommen“, hieß es ermutigend aus dem Hauptbüro in Allegheny im Frühjahr
1898. Was die Zunahme an Abonnenten für den Wachtturm
betraf, so entsprachen die mageren Resultate [Seite 118] während
des ersten Jahres nicht den Erwartungen.[111] Noch setzte sich der größte Teil der Wachtturm-Leserschaft aus deutschsprachigen
Personen in den Vereinigten Staaten zusammen.
Eine deutsche Übersetzung
des Bibelforscher-Buches Der Tag der
Rache, der 4. Band der Bücherserie Millennium-Tagesanbruch,
war 1898 „von Geschwistern in Europa unaufgefordert begonnen“ worden.[112] An der Übersetzung war Margarete Giesecke beteiligt.[113] Sie übersetzte viele Beiträge für den Wachtturm, was durch das Kürzel „M. G.“
angezeigt wird.[114]
Außer „M. G.“ erscheint in
der Zeitschrift das Kürzel „Übers. v. Frl. H. G.“.[115] Die beiden Abkürzungen „Übers. v. H. G.“ und
„Übers. von M. G.“ sind in vielen frühen Nummern des Wachtturms zu finden.[116] Wer war Fräulein „H. G.“? Im Januar 1900 nannte
der Herausgeber am Schluß eines Artikels ihren Namen: „Übersetzt von Helene
Giesecke.“[117] Möglicherweise handelt es sich bei Margarete und
Helene Giesecke um Mutter und Tochter. Das Geschichtsarchiv bei der
Wachtturm-Gesellschaft der Zeugen Jehovas ist im Besitz eines alten Fotos, das
eine Frau und ein Mädchen (Mutter und Tochter?) zeigt und in einem Atelier in
Berlin vergrößert wurde, vielleicht um das Jahr 1900, doch keine weiteren
Beschriftungen aufweist. Ob das Bild vielleicht Margarete und Helene Giesecke
zeigt?
Im Jahre 1899 zog Margarete
Giesecke von Berlin nach Bremen, und das deutsche Literaturdepot der Watch
Tower Society wurde damit ebenfalls nach Bremen, Haverkamp und im Jahre 1900 in
die Nordstraße 66 verlegt wurde.[118] Margarete Giesecke, die noch immer dafür
verantwortlich war, plante schließlich, nach Giengen (bei Ulm) umzuziehen, wo
bereits vier Bibelforscherinnen tätig waren. Der Umzug nach Süddeutschland
scheiterte jedoch an Widerständen in der Giengener Bevölkerung: Die angemietete
Wohnung wurde gekündigt, nachdem der Ortspfarrer die Vermieterin unter Druck
gesetzt hatte; und [Seite 119] eine ortsansässige Bibelforscherin mit Namen Fink wurde
auf offener Straße angepöbelt.[119]
Weitere Einzelheiten zur
Lebensgeschichte dieser fleißigen Frau, die zu den ersten Bibelforscherinnen in
Europa zählt, sind nicht bekannt.
Der Volksschullehrer Hermann
Herkendell (geboren 1889) lernte 1905 durch ein Traktat der
Wachtturm-Gesellschaft die biblischen Lehren der Bibelforscher kennen und
verteilte bald selbst solche Flugschriften in seiner Schulklasse.[120] Nach seinem Austritt aus der evangelischen Kirche wurde
der junge Mann vom Religionsunterricht suspendiert und verlor seine Stellung
als Lehrer.[121]
Im Jahre 1908 wurde er
„Kolporteur“ oder Vollzeitprediger der Religionsgemeinschaft. Die
Wachtturm-Gesellschaft in Barmen (Verlagsgesellschaft der Gemeinschaft) sandte
ihn nach Bielefeld, um Abonnenten des Wachtturms
miteinander bekanntzumachen und dort eine Ortsgruppe der
Religionsgemeinschaft zu gründen;[122] er war auch mehrere Monate in Stuttgart aktiv.[123] Im Herbst 1908 – er war 19 Jahre alt – verband er sich
mit der Ortsversammlung der „Ernsten Bibelforscher“[124] in Dresden und setzte dort seinen „Kolportage“-Dienst
fort.
[Seite 120]
Der Wachtturm
kündigte im Dezember 1909 an, daß Hermann Herkendell als „Pilgrim“ oder „Pilgerbruder“
(Vortragsredner) reisen wird. „Über Versammlungen und Vorträge und Besuche
seitens eines Bruders, den wir als gegründet in der Wahrheit empfehlen können,
hören wir gerne umgehend“, hieß es.[125] Anfang 1910 gab er seine Tätigkeit in Dresden auf, um
als erster ständiger „Pilgerbruder“ oder reisender Prediger (Ältester)
regelmäßig den „Versammlungen“ oder Bibelforschergemeinden zu dienen. Im Januar
1910 wurde den Wachtturm-Lesern
folgendes angekündigt:
„Pilgerbesuche in
Süddeutschland und der Schweiz. Voraussichtlich wird Bruder Herkendell in den
Monaten Februar und März Süddeutschland und die Schweiz bereisen und von Barmen
aus über Siegen, Frankfurt a. M., Mainz, Darmstadt, Stuttgart, Eßlingen,
Göppingen, Ulm, Giengen, Heidenheim, Augsburg, München, Chur, Zürich, Bern,
Basel, Mühlhausen, Colmar, Straßburg, Karlsruhe, Mannheim, Wiesbaden, Coblenz,
Bonn, Cöln fahren. Freunde der Wahrheit in diesen Städten und umliegenden
Ortschaften, oder auf der Strecke zwischen diesen, die Bruder Herkendells Besuch
auf höchstens ein bis zwei Tage wünschen, bitten wir, uns umgehend zu schreiben
und anzugeben, welcherlei Gelegenheiten sich bieten, Bibelbetrachtungen oder
Ansprachen über den Plan der Zeitalter in einer größeren Wohnstube oder einem
kleineren Saale abzuhalten, oder auch im kleinen Kreise mit Geschwistern in
Christo und Interessierten zu sprechen und sich im Namen des Herrn mit ihnen zu
versammeln zur Förderung im allerheiligsten Glauben.“[126]
Über seine Einsetzung heißt
es später: „Das Werk der Wahrheit wuchs. Bruder Kötitz vermochte die so sehr
nötigen Pilgerreisen zu den verschiedenen Versammlungen nicht mehr allein
auszuführen. Da gab jener junge Bruder die Kolportage auf und begann von etwa
1910 an als e r s t e r ständiger Pilgerbruder alle Versammlungen
Deutschlands und der angrenzenden deutschredenden Länder auf regelmäßigen
Pilgerreisen zu besuchen, ihnen den Trost und die Erfrischung durch das Wort
der Wahrheit bringend. Und seit dieser Zeit ist er nicht mehr aus diesem
Dienste getreten, nur einmal, als er in innen und aussen bewegter Zeit, in
schwierigsten Verhältnissen, mutig, auf Gottes Beistand bauend, [Seite 121] von
April 1916 bis Februar 1918 die Leitung des Deutschen Werkes übernahm, die in
dieser Zeit bei ihm in treuen und edlen Händen geruht hat.“[127]
In das Jahr 1911 fällt eine
Unterbrechung seines Reisedienstes. Im August 1911 ehelichte er die
Glaubensschwester Martha Jander, die Tochter eines wohlhabenden
Gießereibesitzers. Aus der Verbindung sollte Tochter Ruth hervorgehen.[128] Das junge Paar unternahm als Hochzeitsreise eine
mehrmonatige Reise nach Rußland, um dort die Kolportage unter den Deutschrussen
zu beginnen.[129] Im Jahresbericht der Wachtturm-Gesellschaft für 1911
heißt es jedoch: „Rußland ist gegen die Wahrheit ziemlich verschlossen, wiewohl
wir per Post doch in der Lage sind, den bereits gefundenen Geschwistern die
Schriften zugehen zu lassen. Zur Kolportage indes haben die Geschwister
Herkendell, die kürzlich dorthin gereist waren, keine Erlaubnis bekommen.“
Nach der Rußlandreise ging
Hermann Herkendell mit seiner Frau nach Stuttgart, um in Württemberg als
Kolporteur zu dienen. Wahrscheinlich fällt in diese Zeit die Entbindung seiner
Frau. Emil Lanz aus Mülhausen stellte sich daraufhin als „Pilgerbruder“ zur
Verfügung, um die Besuche der Bibelforscher und Gruppen zu unternehmen.[130] Hermann Herkendell setzte seine Reisetätigkeit erst
wieder im August und September 1912 fort.[131]
Im Februar 1916 wurde er
Mitglied des fünfköpfigen „Leitkomitees“, das C. T. Russell für das Werk
der Religionsgemeinschaft in Deutschland einsetzte.[132] Von August bis September 1916 war er Schriftleiter des
Wachtturms. Im Oktober 1916 übernahm
Paul Balzereit die Verantwortung hierfür, da Hermann Herkendell eingezogen
wurde.[133] Da Hermann Herkendell den Militärdienst verweigerte,
drohten die Militärbehörden mit seiner Erschießung. Er wurde danach kurzfristig
in eine Düsseldorfer Nervenanstalt verbannt.[134]
Vom Februar 1917 bis Januar
1918 war Hermann Herkendell erneut der Leiter des deutschen Zweigbüros der Watch
Tower Society in Barmen und damit für die Organisierung des Werkes der
Religionsgemeinschaft in Deutschland verantwortlich. Nach seiner Ablösung durch
Max Cunow aus Leipzig, der eine Zeitlang dem Büro und dem „Bibelhaus“ in Barmen
vorstehen sollte, siedelte [Seite 122] Hermann Herkendell nach Dresden über, wo er wieder den
„Pilgerdienst“ begann. Seine neue Anschrift war „Dresden-A.,
Ludwig-Richter-Str. 18, III“.[135]
Ruth Warter, die 1923 in
Uszlöknen (Memelland) lebte, berichtet von einem Besuch Hermann Herkendells als
„Pilgerbruder“: „Ich sehe letzteren noch heute mit meinem inneren Auge am
Harmonium sitzen. Er spielte und sang das Lied ‚Hell brennen uns’re Lampen, das
Kleid ist weiß und rein.‘ Er konnte wunderbar singen. Keiner wagte mitzusingen,
um den Klang seiner Stimme zu genießen. Als das Lied zu Ende war, wandte er
sich um und fragte: ‚Ja, warum singt ihr denn nicht?‘ Und wir saßen wie
gebannt. Auch er schwieg, er hatte uns verstanden. Welch herrliche Gaben der
Schöpfer doch seinen Menschenkindern verliehen hat. Wohl dem, der sie zu seiner
Ehre nutzen tut.“[136]
Hermann Herkendell setzte
den Pilgerdienst bis zu seinem frühen Tod mit 37 Jahren nach kurzer, schwerer
Krankheit fort. Der Tod ereilte ihn am 17. August 1926 auf einer Vortrags-
oder „Pilgerreise“ durch Pommern. Seine Beerdigung fand am 21. August 1926
in Dresden statt.
Max Cunow (geboren 13.
Januar 1849 in Schokken, Kreis Wongrowitze; verstorben 1933), ein Guts- und
Molkereibesitzer, wurde 1902 Bibelforscher.[137] Er zeigte so große Wertschätzung für die erlangte
biblische Erkenntnis, daß er 1909 seinen Besitz verkaufte und das neue Heim des
„Bibelhauses“ (Zweigbüro der Watch Tower Society), das damals gerade von
Elberfeld nach Barmen verlegt worden war, mit Möbeln ausstattete.[138] Ab Januar 1916 reiste er als „Pilgerbruder“ und
besuchte die Bibelforschergruppen oder Versammlungen.
Im Januar 1918 wurde Max
Cunow in das „Bibelhaus“ nach Barmen berufen, „um dem Büro und Hause
vorzustehen, sowie die Verantwortung für die Schriftleitung des Wachtturms zu übernehmen“.[139] Auf dem Bibelforscher-Kongreß in Leipzig vom
31. Oktober bis 2. November 1919 – mit annähernd 800 Teilnehmern und der
bislang größten Taufe (91 Täuflinge) – fielen ihm als Landesleiter und dem
Pilgerbruder Hermann Herkendell die besondere Ankündigung zu, daß – wie in den
Vereinigten Staaten – auch in Deutschland eine neue 32seitige zweiwöchentlich
erscheinende Zeitschrift, Das Goldene
Zeitalter (engl. The Golden Age,
heute Erwachet!), als Ergänzung zum Wachtturm [Seite 123] geplant
sei.[140] Die erste englische Ausgabe war bereits zum 1. Oktober
1919 in den Vereinigten Staaten veröffentlicht worden. Wie Max Cunow ausführte,
sollte die Zeitschrift „auf deutsche Verhältnisse übertragen werden, sobald die
Zustimmung von dem Hauptbüro und nähere Erklärungen eingegangen sind“.[141]
Die erste deutschsprachige
Ausgabe des Goldenen Zeitalters erschien
nicht in Deutschland, sondern in der Schweiz. Am 1. Oktober 1922 wurde die
erste Ausgabe der Zeitschrift von der Watch Tower Society in Bern, Schweiz, im
Verlag Goldenes Zeitalter herausgegeben. Ein halbes Jahr später, zum
1. April 1923, verlegte die reichsdeutsche Sektion der Internationalen
Bibelforscher-Vereinigung in Barmen eine eigene deutsche Ausgabe (zweimal
monatlich und 16seitig). Als Druck- und Verlagsadresse war „Druckerei des
Goldenen Zeitalters, Barmen, Unterdörnerstraße 76“ angegeben. Der vollständige
Titel der magazinähnlichen Zeitschrift (1922-1937) lautete: Das Goldene Zeitalter. Eine Zeitschrift,
gegründet auf Tatsache, Hoffnung und Überzeugung. Der Name wurde später auf
Trost (1938-1946; engl. Consolation) und dann auf Erwachet! (seit 1947, engl. Awake!) geändert.
Joseph F. Rutherford,
der zweite Präsident der Watch Tower Society und Nachfolger C. T.
Russells, schrieb am 2. November 1920 anläßlich eines Europabesuches aus
Bern: „Unser lieber Bruder Cunow hat das Werk in Deutschland geleitet während
der stürmischen Zeit der letzten paar Jahre, und mußte sicherlich vielen
prüfungsvollen Erfahrungen standhalten. Er bat, von dieser Last befreit zu
werden; wir schätzen sehr seinen Eifer und seine liebende Ergebenheit zum Herrn
und seinem Werke und die Dienste, die er geleistet hat. Aber es scheint uns gut
zu sein vor dem Herrn, daß wir seine Resignation annehmen. Fernerhin wird
Bruder Cunow alle seine Zeit dem Pilgerdienst zuwenden, und ich bin überzeugt,
der Herr wird diesen Dienst segnen zu seiner eigenen Verherrlichung.“[142]
Kurz darauf, am 4. und 5.
November 1920, kam der Präsident der Gesellschaft in Basel mit 26 führenden
Bibelforschern aus Deutschland zusammen, um die Neuorganisation des Werkes zu
besprechen. Max Cunow, den Vorschlag des Präsidenten, „in den Pilgerdienst
einzutreten, freudig hinnehmend“, wurde durch Paul Balzereit aus Kiel abgelöst.[143] Max Cunow verstarb am 15. Februar 1933.[144]
[Seite 124]
1882 – Die deutschen
Bibelforscher in den Vereinigten Staaten bitten um die Veröffentlichung von
Schriften in der Muttersprache.
1883 – Eröffnung der
„deutschen Traktatkasse“, um den Druck und die Verbreitung deutscher
Flugschriften durch freiwillige Spenden zu finanzieren.
1884 – Die
Verlagsgesellschaft der Religionsgemeinschaft (Watch Tower Society,
Wachtturm-Gesellschaft)[145] wird als nichtkommerzielle Gesellschaft in Allegheny
(Pennsylvanien) gesetzlich eingetragen, deren erster Präsident
Charles Taze Russell ist.
1885 – Die erste
Bibelforscher-Publikation in Deutsch (eine einzelne Missionsausgabe des Wachtturms).
1886 – Eine kleine deutsche
Edition von Zion’s Watch Tower erscheint
(bis 1892). C. T. Russell veröffentlicht das Buch The Divine Plan of the Ages, den 1. Band der Bücherserie.
1888 – Das Buch Der göttliche Plan der Zeitalter (engl.
1886), der 1. Band der Millennium-Tagesanbruch
Serie, erscheint in Deutsch (Übersetzung Von Zech). Wahrscheinlich gibt es von
nun an Traktate in Deutsch (oder ab 1894).
1891 – C. T. Russell
besucht Hannover, Berlin, Wittenberg, Leipzig, Dresden, Wien, Straßburg, Köln
und Mainz. (In den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Schweden, der Schweiz,
Deutschland und in anderen Ländern gibt es schätzungsweise 4 000
Bibelforscher. Monatlich werden 10 000 Exemplare des Watch Towers verbreitet, worauf auf etwa 15 000 Leser
geschlossen wird; es gibt über 100 deutsche Leser.)
1892/1893 – Der 2. Band
(engl. 1889) der Serie Millennium-Tagesanbruch
in Deutsch (Übersetzung Von Zech). Otto Albert Koetitz wird 1892 Mitarbeiter
C. T. Russells in Allegheny (bis 1903).Von der deutschen
Bibelforschergemeinde in Pennsylvanien geht die Initiative zur Missionierung
Deutschlands aus. In Württemberg kommen Bibelforscher zu gottesdienstlichen
Zusammenkünften zusammen.
1895 – Otto A. Koetitz
beginnt, die ersten beiden Bände Millennium-Tagesanbruch
neu ins Deutsche zu übersetzen.
[Seite 125]
1896 – Der 1. und 2. Band
(neu übersetzt) sowie der 3. Band der Bücherserie (engl. 1891) erscheint in
Deutsch. In Berlin, Hamburg und anderen Orten sind Bibelforscher tätig; Adolf
Weber sendet von der Schweiz aus Traktate nach Deutschland.
1897 – Die Zeitschrift Zion’s Wacht-Turm erscheint von nun an regelmäßig
in deutscher Sprache. Die deutschen Leser in Europa werden von der
Bibelforscherin Margarete Giesecke und einem Literaturdepot in Berlin versorgt.
Bald werden monatlich 500 deutsche Exemplare der Zeitschrift versandt.
1899 – Verlegung des Versanddepots
von Berlin nach Bremen, Haverkamp, später (1900) in die Nordstraße 66.
1900 – In Deutschland werden
3 000 Probenummern des Wachtturms
und über 10 000 Traktate verteilt. Der 4. Band der Bücherserie steht
in Deutsch zur Verfügung.
1902 – Eröffnung eines
kleinen Büros der Watch Tower Society in Elberfeld (Straße unbekannt). An
verschiedenen Orten in Deutschland organisieren Wachtturm-Leser „Klassen“, um die Bibel zu studieren, und legen
damit die Grundlage für spätere „Versammlungen“ (Gemeinden).
1903 – C. T. Russell
mietet in Elberfeld, Mirkerstraße 45 ein Haus, das als Zweigbüro der Watch
Tower Society dient (bis 1907). Zion’s
Wacht-Turm wird von nun an in Deutschland gedruckt. Otto Albert Koetitz
erhält die Leitung des Zweigbüros (bis 1915).
1904 – Zion’s Wacht-Turm erscheint nun monatlich. In Elberfeld,
Königsberg, Wermelskirchen und Weidenau versammeln sich Bibelforscher
regelmäßig zu gottesdienstlichen Zusammenkünften.
1905 – In Elberfeld findet die
erste „Hauptversammlung“ (Kongreß) mit etwa 150 Bibelforschern aus der Umgebung
statt. Es gibt über 1 500 Wachtturm-Leser.
1906 – In Berlin, Derschlag
(vermutlich bei Gummersbach), Dresden, Elberfeld-Barmen, Königsberg, Remscheid,
Wanne/Westfalen, Solingen, Weidenau, Wermelskirchen und anderen Orten sind
wahrscheinlich die ersten „Versammlungen“ oder Gemeinden der Bibelforscher
entstanden.
1907 – Der Wachtturm hat eine monatliche Verbreitung von 1 800 Exemplaren (rund 1 000 Abonnenten). Nur einige von ihnen beteiligen sich an der Verteilung von Bibelforscher-Schriften.[146]
1908 – Umzug des Zweigbüros
nach Barmen, Werter Straße 39.
[Seite 126]
1909 – Das Zweigbüro zieht
in die Unterdörnerstraße 76 in Barmen (1923 Umzug nach Magdeburg). C. T.
Russell besucht im Mai 1909 das dritte Mal Deutschland; er hält in Berlin,
Dresden und Barmen-Elberfeld biblische Vorträge. Es gibt 3 000 regelmäßige
Wachtturm-Abonnenten.
1914 – Etwa 5 000
Personen lesen den Wachtturm
regelmäßig. Rund 53 000 Personen
werden bei den öffentlichen Bibelforscher-Vorträgen gezählt. Am
„Gedächtnismahl“ nehmen 1 440 Bibelforscher teil.
© 2001, Alle Rechte beim Verfasser
[1] In Anlehnung an das Gleichnis Jesu Christi im Matthäusevangelium, Kapitel 13, Vers 24-30, 36-43.
[2] Siehe Bibelbücher Matthäus, Kapitel 13, Vers 36-43 und Apostelgeschichte, Kapitel 20, Vers 29-30. Ausführliche Abhandlungen zu ihrer Geschichte gibt die Religionsgemeinschaft in folgenden Veröffentlichungen: Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, Selters/Taunus 1993. Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, Wiesbaden 1960. Tätigkeit der Zeugen Jehovas in der Neuzeit: Vereinigte Staaten von Amerika, Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1975, Wiesbaden 1975, S. 30-256. Tätigkeit der Zeugen Jehovas in der Neuzeit: Deutschland, Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974, Wiesbaden 1974, S. 66-253. Centennial of the Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania 1884–1984, Pittsburgh, Pennsylvania, October 6, 1984. Eine Liste der Titel der von der Watch Tower Society veröffentlichten Broschüren und anderer Veröffentlichungen ist in den jeweiligen gebundenen Ausgaben der „Watch Tower Publications Index(es)“ bzw. „Index(e) der Wachtturm-Publikationen“ unter dem Stichwort „Wachtturm-Publikationen“ (Watch Tower Publications) zu finden.
[3] Siehe Sprüche, Kapitel 4, Vers 18: „Aber der Pfad der Gerechten ist wie das glänzende Licht, das heller und heller wird, bis es voller Tag ist.“ Dazu heißt es im Wachtturm, 15. September 1987, S. 29: „Genauso, wie falsche Lehren allmählich in die Christenversammlung eingedrungen waren, so leuchtete nun nach und nach das Licht der Wahrheit immer heller (Sprüche 4:18, 19). Von Anfang an verstanden diese Christen die grundlegenden Wahrheiten in bezug auf Jesus, der sein Leben als Lösegeld hingegeben hat, und stellten seine unsichtbare Wiederkunft und das Königreich Gottes in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit (1. Timotheus 2:6).“
[4] Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 23, 28, 47. Wachtturm, 1. Juli 1979, S. 13-15; 15. Mai 1982, S. 22; 15. September 1987, S. 29. Das „Dringlichkeitsbewußtsein“ wird im Wachtturm, 1. Oktober 1995, S. 25ff. betont.
[5] Biblische Begründungen für ihre Grundlehren finden sich in folgenden Lehrbüchern der Zeugen Jehovas: Erkenntnis, die zu ewigem Leben führt. Selters/Ts. 1995; Du kannst für immer im Paradies auf Erden leben. Wiesbaden 1982, Selters/Ts. 1989, 1994; Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt. Wiesbaden 1968 (revidiert 1982).
[6] Im Laufe der Zeit gab es Änderungen im Namen der juristischen Korporationen, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.
[7] Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, S. 622.
[8] Traktate oder Flugschriften erschienen in Englisch seit 1880 und wurden „Arp Tracts“ (Bedeutung von „Arp“ unbekannt), später „Watch Tower Tracts“ oder „The Bible Students’ Tracts“ genannt.
[9] Um die Jahrhundertwende war nur die 100seitige Schrift „Die Stiftshütte und die besseren Opfer“, eine verkürzte Übersetzung der englischen Broschüre „Tabernacle Shadows of the ‚Better Sacrifices‘„ in Deutsch erhältlich (Wachtturm, Februar 1899, S. 24; Januar-März 1900, S. 8). Die Titel „Was sagt die Heilige Schrift über die Hölle?“, „Die Bibel und der Spiritismus“ und „Die Bibel gegen die Evolution“ werden 1902 als deutsche Broschüren aufgeführt (Wachtturm, Juli-September 1902, S. 7; Oktober- Dezember 1902, S. 7). Bis 1912 bilden die vier genannten Titel die einzigen deutschen Broschüren.
[10] Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 31. Unter den Bibelforschern waren anfänglich nur zwei Bücher (von C. T. Russell und J. H. Paton) in Umlauf (Watchtower, April 1880, Reprints S. 94; Juni 1880, Reprints S. 111, 121; Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 19, 30f.; Jahrbuch 1975, S. 34). Im Laufe der Zeit entsprach keines der beiden Bücher dem Stand der von den Bibelforschern erkannten biblischen Wahrheiten. Daher „wurde der Beschluß gefaßt, daß Russell einige Bücher schreiben sollte, die als ‚Millennial Dawn‘-Serie bekannt wurden“ (Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 30). Die „Millennium-Tagesanbruch-Serie“ umfaßte sieben Bände (englisch 1886 bis 1917; deutsch 1888 bis 1919) und war bis in die 1920er Jahre in Gebrauch. Die Serie, die man inzwischen als „Schriftstudien“ bezeichnete (in Englisch ab 1905, in Deutsch ab 1908), wurde durch das Buch „Die Harfe Gottes“ (englisch 1921, deutsch 1922) und später durch andere Lehrbücher ersetzt.
[11] Watchtower, 1. Januar 1892, Reprints S. 1350.
[12] Wachtturm, April 1904, S. 4.
[13] Watchtower, Januar 1890, Reprints S. 1171.
[14] Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 27; Wachtturm, April 1907, S. 76; 1. April 1955, S. 197.
[15] Wachtturm, Februar 1909, S. 21.
[16] Vergleiche Watchtower, Juni 1894, Reprints S. 1660.
[17] Watchtower, Januar 1891, S. 3; Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 33.
[18] Damit war eines der sogenannten Wachtturm- bzw. Bibelforscher-Traktate gemeint, die es in Englisch seit 1880 gab. Neben dieser Art Traktate wurden später andere Traktate als „kleine Zeitungen“ im Abonnement und als Gratisschriften in Umlauf gebracht (Wachtturm, Februar 1914, S. 21). Zu den wichtigsten deutschen Traktaten zählten „Die alte Theologie. Speise für denkende Christen“ (1906-1918), „Die Volkskanzel“ (1910-1912), „Jedermanns-Blatt“ (1912-1914 [?]), „Der Bibelforscher“ (1910-1918), „Der Schriftforscher“ (1916-1922 [?]), „Der Fall Babylons“ (1919), „Anklage gegen die Geistlichkeit“ (1924) und „Königreichs-Nachrichten“ (seit 1946; englisch seit 1918).
[19] Watchtower, Dezember 1882, Reprints S. 415. Originaltext: „Please try and publish a German tract, setting forth the ‚glad tidings of great joy;‘ thousands are waiting for such a tract. I could distribute thousands of copies with advantage.“ Die Redaktion reagierte prompt: „We would be very glad if some German brother with necessary ability, would volunteer to translate Oct. Z. W. T. [die Oktobernummer von „Zion’s Watch Tower“] into German.“
[20] Watchtower, Januar 1883, Reprints S. 426.
[21] Watchtower, Januar 1885, Reprints S. 708.
[22] Watchtower, März 1885, Reprints S. 732.
[23] Watchtower, Februar 1886, Reprints S. 832.
[24] Watchtower, Januar 1886, Reprints S. 818.
[25] Watchtower, Dezember 1882, Reprints S. 415.
[26] Watchtower, Februar 1886, Reprints S. 832. Eine der ersten englischen Broschüren von C. T. Russell, die Schrift „The Object and Manner of our Lord’s Return“ (Der Zweck und die Art der Wiederkunft unseres Herrn) wurde als „60-page tract“ oder 60-Seiten-Traktat bezeichnet (Watchtower, März 1880, Reprints S. 85; vergleiche Wachtturm, Juni 1922, S. 87).
[27] Auf seiner ersten Auslandsreise besuchte C. T. Russell Hannover, Berlin, Wittenberg, Leipzig, Dresden, Wien, Straßburg, Köln und Mainz (Watchtower, Juli 1891, Reprints S. 1312; 15. Februar 1892, Reprints S. 1370). Rückblickend stellte er fest: „Wir sahen nichts, was uns auf eine Ernte in Italien, in der Türkei, in Österreich oder Deutschland hoffen lassen würde.“ Dagegen sind die Schweiz und einige europäische Länder, wie Russell es ausdrückte, „Felder, die reif sind und darauf warten, abgeerntet zu werden“ (Watchtower, November 1891, Reprints S. 1333; Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 32ff.).
[28] Watchtower, 15. Juli 1892, Reprints S. 1431. Originaltext: „For the sake of these [German friends that could not read English] also Vol. I. of DAWN was translated into German and published [...], also German translations of the Arp tract.“ Die englischen „Arp Tracts“ waren Traktate, die 1887 und damit noch vor den ab 1889 veröffentlichten Traktaten „The Old Theology“ (Bible Students’ Tracts) erschienen. Die Veröffentlichung von deutschen Übersetzungen der frühen englischen „Arp Tracts“ muß demnach 1892 oder früher, vielleicht zusammen mit dem ersten deutschen Buch von C. T. Russell, also ab 1888, erfolgt sein.
[29] Der Watchtower Publications Index 1930-1985, Brooklyn 1986, S. 920, gibt das Jahr 1892 als Erscheinungsjahr für das erste deutsche Traktat an, was jedoch durch die Ausgabe für 1986-1990 revidiert wurdet.
[30] Watchtower Publications Index 1986-1990, Index der Wachtturm-Publikationen 1986-1990, S. 509. S. 518f.
[31] Ebenda. Bei dem ersten deutschen Traktat (1894) handelt es sich um die Nr. 23 der Bible Students’ Tracts – eine deutsche Übersetzung der Nr. 21 dieser Reihe mit dem Titel „Do You Know?“ (Weißt Du?). Das zweite deutsche Traktat (1895) hat den Titel „Warum seid ihr die letzten, den König willkommen zu heißen?“, trägt die Nr. 30 und ist eine Übersetzung des englischen Bible Students’ Tract Nr. 28, „Why Are Ye Last to Welcome Back the King?“ (Eine 16seitige Broschüre mit gleichem Titel erschien um 1911 oder 1912.) Darauf folgte 1896 der Titel „Lehrt die heilige Schrift, daß ewige Qual ist der Lohn der Sünde?“ (Siehe auch Wachtturm, Mai 1899, S. 31.). Dieses deutsche Traktat war die Nr. 34 der englischen Serie Bible Students’ Tract und eine Übersetzung der Nr. 1, „Do the Scriptures Teach That Eternal Torment Is the Wages of Sin?“. Im Jahre 1900 erschien der Titel „Welches ist das wahre Evangelium?“, die Nr. 50 und eine Übersetzung der Bible Students’ Tracts Nr. 49, „Which Is the True Gospel?“ (Vergleiche Wachtturm, Februar 1907, S. 28. Die obigen Angaben sind dem Watchtower Publications Index 1986-1990, S. 509 entnommen).
[32] Watchtower, Dezember 1885, Reprints S. 808. Originalzitat: „We take pleasure in announcing to our German friends, that we have commenced a German edition of the TOWER, the first number of which goes forth next month. It will be a monthly, of eight pages, smaller than the English edition: price, 25 cents per year. […] It is for you to scatter sample copies, and to awaken an iterest in it among the earnest German Christians.“ Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, S. 724.
[33] Watchtower, Dezember 1884, Reprints S. 698ff. Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 40.
[34] Watchtower, Juni 1889, Reprints S. 1120. Originalzitat: „We have thousands of old copies of the German WATCH TOWER, very suitable for new readers, which we are anxious to put into their hands FREE. We ask our readers who can do so and would enjoy the privilege of such service, to take these and distribute them at the doors of German churches on Sundays. In ordering say how many you can use. When thus distributing papers or tracts, do not stand to do so, for this blocks the street and is contrary to law, but keep walking up and down while handling them out, and be as polite and agreeable as possible.“
[35] Watchtower, Februar 1886, Reprints S. 832.
[36] Watchtower, Dezember 1885, Reprints S. 808. Februar 1888, Reprints S. 1003.
[37] Watchtower, Mai 1888, Reprints S. 1034.
[38] Watchtower, April 1888, Reprints S. 1031.
[39] Watchtower, Juni 1888, Reprints S. 1047; September 1888, Reprints S. 1067.
[40] Watchtower, 1. Januar 1892, Reprints S. 1346. C. T. Russell bemerkt hier: „The credit for this work belongs to our dear Brother von Zech, who also translated the first volume and who is now the owner of the plates and the publisher of both volumes in German.“
[41] Watchtower, 11. Juni 1894, Reprints S. 1660. Watchtower, 1. Dezember 1895, Reprints S. 1901.
[42] Wachtturm, April 1917, S. 80.
[43] Watchtower, Dezember 1888, Reprints S. 1084.
[44] Watchtower, 15. Februar 1892, Reprints S. 1371.
[45] Das „Bibelhaus“ wurde 1889 in Allegheny, North Side, Pittsburgh, Pennsylvanien errichtet und diente der Gesellschaft als Hauptbüro und war das Heim der kleinen Bibelhaus-Familie (Jehovas Zeugen in Gottes Vorhaben, S. 27). Nach dem Umzug der Gesellschaft nach Brooklyn, New York wird das Hauptbüro „Bethel“ genannt.
[46] Watchtower, 1./15. November 1893, Reprints S. 1593. Originaltext: „We heartily participate in the cause of the communion here. In the neighborhood we count eight larger and smaller communions. It is our most agreeable business. Our house is a house of entertainment of brethren; and this brings many a blessed hour, while our neighbors pity us because of the heavy burden of such hospitality. Dear Brother, I wish that you could on a Sunday afternoon enter our gathering. How you would rejoice because of the goodly number of truth-loving souls! In the Summer the prepared hall is full; there is a nice organ, at the table sit four in their eightieth year. Now, hearty and thankful greetings from us all.“
[47] Watchtower, 1. Juni 1893, Reprints S. 1539.
[48] Watchtower, 1./15. November 1893, Reprints S. 1593.
[49] Watchtower, 15. Juli 1907, Reprints S. 4032. Wachtturm, Oktober 1908, S. 146.
[50] Wachtturm, Dezember 1910, S. 221.
[51] Watchtower, 1. Januar 1892, Reprints S. 1346.
[52] Watchtower, 15. Juli 1892, Reprints S. 1431.
[53] A Conspiracy Exposed, in: Watchtower, extra edition, vol. XV, no. 8, 25. April 1894 (s. a. Watchtower, 11. Juni 1894, Reprints S. 1659).
[54] Watchtower, 11. Juni 1894, Reprints S. 1659.
[55] E. C. Henninges wurde Sekretär-Kassierer („Sec’ & Treas“) der Watch Tower Society (Watchtower, 15. Dezember 1899, Reprints S. 2550). 1900 und 1901 (bis 1. November) leitete er das neue Zweigbüro der Watch Tower Society in London (Watchtower, 1. Mai 1900, Reprints S. 2628; 15. Juli 1900, Reprints S. 2664; 15. Dezember 1901, Reprints S. 2923); 1903 begleitete er C. T. Russell auf dessen zweiten Europareise, die er organisieren durfte (Watchtower, 1. April 1903, Reprints S. 3171). Für kurze Zeit erhielt er die Aufsicht im ersten deutschen Zweigbüro in Wuppertal-Elberfeld (Watchtower, 1. Juli 1903, Reprints S. 3214), danach war er „Manager“ des australischen Zweigbüros (vgl. Watchtower, 15. Dezember 1903, Reprints S. 3288; 1. Juni 1904, Reprints S. 3379). Zwischen 1908 und 1910 verließ er die Bibelforscher (Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1983, S. 40).
[56] Watchtower, 11. Juni 1894, Reprints S. 1659ff.
[57] Watchtower, 15. Dezember 1904 Reprints S. 3473.
[58] Watchtower, 15. Dezember 1904, Reprints S. 3473. Wachtturm, Januar 1904, S. 3.
[59] In Tailfingen wird später eine Ortsgemeinde gegründet, die unter der Bevölkerung als „Millenniumsversammlung“ bekannt wird und die heute als einer der ersten Bibelforschergemeinden in Deutschland angesehen wird. (Jahrbuch 1974, S. 69f.; Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, S. 410). Gemäß Aussagen von älteren Zeugen Jehovas kamen die Bibelforscher in Tailfingen ab 1908 in der Paulinenstraße 3 zusammen (Wachtturm-Gesellschaft der Zeugen Jehovas, Geschichtsarchiv, künftig: WTA, LB Emil Conzelmann, LB Friedrich Kern). Hermann Herkendell besuchte die Bibelforscher in Tailfingen als Vortragsredner im Februar 1910 (Wachtturm, Januar 1910, S. 24; Februar 1910, S. 46) und Otto A. Koetitz im November 1911 (Wachtturm, Dezember 1911, S. 192.). Eine weitere Erwähnung der Gruppe von Tailfingen findet in Verbindung mit dem Gedächtnismahl am 13. April 1919 statt. Von den 3 450 Teilnehmer in Deutschland kamen 18 aus Tailfingen (Wachtturm, Juli/August 1919, S. 128).
[60] Wachtturm, April 1905, S. 61; Juni/Juli 1905, S. 82.
[61] Watchtower, 1. Februar 1897, Reprints S. 2104f.
[62] Wachtturm, Februar 1899, S. 24.
[63] Watchtower, 15. Dezember 1900, Reprints S. 2743.
[64] Watchtower, 15. Dezember 1904, Reprints S. 3473. Originaltext: „The largest expenditure was made in Germany, amongst whose people over a million tracts and sample German TOWERS have been circulated free. No great results should be looked for immediately; but we are getting into touch with some of the truth-hungry who ‚have an ear to hear‘.“
[65] Wachtturm, März 1908, S. 39.
[66] Wachtturm, Mai 1905, S. 80; vergleiche Watchtower, 15. August 1904, Reprints S. 3412ff.
[67] WTA, LB Ernst Wiesner. Der Bericht ist exemplarisch und beschreibt die Tätigkeit in Deutschland wahrscheinlich Anfang der 1920er Jahre oder früher.
[68] Wachtturm, April 1905, S. 61.
[69] Wachtturm, September/Oktober 1905, S. 158ff.
[70] Meyers Konversationslexikon, 1906, S. 804.
[71] Wachtturm, Februar 1906, S. 32; März 1906, S. 48; April 1906, S. 50.
[72] Wachtturm, Mai 1906, S. 66; Watchtower, 1. Mai 1906, Reprints S. 3768.
[73] Wachtturm, Juni 1908, S. 82.
[74] Wachtturm, Januar 1909, S. 4.
[75] Wachtturm, April 1909, S. 58; Juli 1909, S. 115f.; Jahrbuch 1974, S. 75.
[76] Wachtturm, Dezember 1909, S. 195f.
[77] Wachtturm, Januar 1915, S. 16; Watchtower, 15. Januar 1915, Reprints S. 5617f.
[78] Wachtturm, Mai 1914, S. 66.
[79] Wachtturm, 15. September 1925, S. 288.
[80] Jahrbuch 1974, S. 109ff.; Bulletin, August 1933, Berner Ausgabe.
[81] Jahrbuch 2000, S. 31ff.
[82] Wachtturm, Oktober 1916, S. 159; WTA, LB Phoebe Koetitz.
[83] Watchtower, 11. Juni 1894, Reprints S. 1666f.
[84] Watchtower, 1. Dezember 1895, Reprints S. 1901.
[85] Wachtturm, April/Mai 1897, S. 8.
[86] Watchtower, 1. Juni 1901, Reprints S. 2829.
[87] Wachtturm, Oktober 1916, S. 159. Das Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1974, S. 68 nennt 1904 als das Jahr, in dem damit begonnen wurde, die deutsche Zeitschrift nicht mehr in den USA, sondern in Deutschland zu drucken. Das scheint darauf zurückzuführen zu sein, daß bei Abfassung des Jahrbuchs 1974 im deutschen Zweigbüro in Wiesbaden die entsprechenden Wachtturm-Ausgaben fehlten. Die im Schweizer Zweibüro, „Bethel“ Thun, vorhanden Ausgaben belegen das Jahr 1903.
[88] Wachtturm, September/Oktober 1905, S. 158f.
[89] Wachtturm, März 1906, S. 48; Mai 1906, S. 66.
[90] Wachtturm, August 1906, S. 114. Im September 1906 führte ihn eine Rundreise nach Bielefeld, Gestringen, Hannover, Braunschweig, Magdeburg, Prenzlau, Stettin, Berlin, Halle, Leipzig, Dresden, Chemnitz, Reichenbach i. B., Triebes, Jena, Weimar und Erfurt (Wachtturm, September 1906, S. 144). Im Februar 1909 reiste er nach Sachsen, wo er sechs Vorträge hielt (Wachtturm, April 1909, S. 58.).
[91] WTA, Dok 17/08/26, Begräbnisansprache für Hermann Herkendell.
[92] Jahrbuch 1974, S. 78.
[93] Wachtturm, März 1915, S. 34.
[94] Wachtturm, Februar 1915, S. 18.
[95] Wachtturm, Februar 1916, S. 18; Juli 1916, S. 98.
[96] Wachtturm, Oktober 1916, S. 159f.; Jahrbuch 1974 S. 82.
[97] Wachtturm, April 1917, S. 80. Jahrbuch 1987, S. 117. Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes, S. 409.
[98] Watchtower, 1. Februar 1897, Reprints S. 2104f. Originaltext: „[…] Sister Giesecke is also doing a good work loaning DAWNS, circulating tracts, etc., in Germany. All this considered, it has been about decided that we will start a small (4 page monthly) German TOWER. The price will be 12 cents per year for single copies; 5 copies monthly for a year 50 cents; 12 copies monthly for a year $1.00. We shall be glad to hear from all of our interested German friends, soon as convenient, respecting their interest in this part of the one harvest work. – EDITOR.“
[99] Wachtturm, Juni 1897, S. 12. Im Jahrbuch 1987, S. 120 wird für den Beginn der Tätigkeit von Adolf Weber in der Schweiz das Jahr 1900 genannt – in diesem Jahr ließ er sich in seinem Geburtsort Les Convers nieder. Auch die Ernennung zum Leiter des Werkes im französischen Sprachgebiet ist in dieser Quelle irrtümlich später angesetzt.
[100] Wachtturm, April 1911, S. 50.
[101] Wachtturm, Februar 1899, S. 24.
[102] Jahrbuch 1987, S. 117ff.
[103] Vergleiche Watchtower, November 1887, Reprints S. 989.
[104] Wachtturm, April 1917, S. 80.
[105] Watchtower, 1. Februar 1897, Reprints S. 2105. Originaltext: „Sister Mattern reports that while as a nurse in a hospital in Hamburg she introduced DAWN and that five other Sisters there are deeply interested in the subject and are having Bible-study meetings and suffering reproaches, being in danger of losing their positions. Sister Giesecke is also doing a good work loaning DAWNS, circulating tracts, etc., in Germany.“
[106] Watchtower, 1./15. November 1893, Reprints S. 1593.
[107] Wachtturm, April/Mai 1897, S. 8.
[108] Wachtturm, Januar 1898, S. 39f.
[109] Wachtturm, Februar 1899, S. 24.
[110] Wachtturm, April/Mai 1897, S. 8.
[111] Wachtturm, April/Mai 1898, S. 8. Jahrbuch 1974, S. 68.
[112] Wachtturm, August 1898, S. 16. Watchtower, 15. Juli 1898, Reprints S. 2335.
[113] Watchtower, 1. Dezember 1898, Reprints S. 2399. Wachtturm, Dezember/Januar 1898/1899, S. 20.
[114] Wachtturm, April 1898, S. 7; Mai 1899, S. 32.
[115] Wachtturm, Januar 1898, S. 39.
[116] Wachtturm, Mai 1899, S. 31f.; siehe auch folgende Nummern.
[117] Wachtturm, Januar 1900, S. 7.
[118] Wachtturm, Mai 1899, S. 32; Januar/März 1900, S. 8.
[119] Watchtower, 15. Oktober 1900, Reprints S. 2710. Originaltext: „[…] I cannot go to Giengen: just today I received a letter from Sister Finkh, in which she informs me the fact of renting a dwelling for me has aroused such an excitement and hostility amongst church people there that the people who rented me the rooms are so afraid as to annul it. Two ministers came three or four times to the woman, and finally told her that she would bring a curse upon herself, if she would take me in her house, they would write to the church authorities, and went to the police etc. S[ister]r. Finkh was attacked in the street by a woman, who cried aloud after her ugly words, and the ministers themselves used such expressions in speaking of me as would be punished here, if spoken publicly. Sr. Finkh and the other three seem to be most earnest, and will follow the Lamb withersoever he goeth, even unto death. There is already such hatred as to kill the Lord’s true people, if they were permitted at all. I do not know, at this moment where to go, but trust the Lord will show me soon, as I wish with all my heart to follow his leading only. Pray for me, dear brothers, and for the dear sisters in Giengen. Yours in our glorious hope, M. E. Giesecke. – Germany.“
[120] Wachtturm, Mai 1908, S. 79.
[121] Jahrbuch 1974, S. 73.
[122] WTA, LB Ernst.
[123] Wachtturm, November 1908, S. 162.
[124] Die „Internationale Vereinigung Ernster Bibelforscher“ (seit 1910; Wachtturm, Juni 1910, S. 98; August 1910, S. 128) änderte 1926/1927 ihren Namen. Anläßlich seines Besuches im Mai 1926 hatte J. F. Rutherford, der zweite Präsident der Watch Tower Society festgelegt, daß die Körperschaft künftig „Internationale Bibel-Forscher-Vereinigung“ heißen solle. Das Wort „Ernster“ sei ein Einschiebsel, das der englischen Benennung „International Bible Students Association“ nicht entspreche (Wachtturm, 1. Juli 1926, S. 194, Berner Ausgabe). Am 4. Dezember 1926 erfolgte die Gründung der „Internationalen Bibelforscher-Vereinigung, deutscher Zweig, e.V.“ und ihre gesetzliche Eintragung beim Amtsgericht Magdeburg am 19. Januar 1927.
[125] Wachtturm, Dezember 1909, S. 194.
[126] Wachtturm, Januar 1910, S. 24. Ein Bericht über die Reise erschien im Wachtturm, Mai 1910, S. 96, ein weiterer Bericht – über Dresden, Reichenbach und Berlin – in der Ausgabe vom Oktober 1910, S. 192.
[127] WTA, Dok 17/08/26.
[128] WTA, LB Gustav Herkendell; LB Elisabeth Lang.
[129] Möglicherweise auf der Krim (WTA, LB Seifert).
[130] Wachtturm, Dezember 1911, S. 187. Jahrbuch 1974, S. 74.
[131] Wachtturm, August 1912, S. 114.
[132] Wachtturm, Februar 1916, S. 18; März 1916, S. 66. Jahrbuch 1974, S. 81.
[133] Wachtturm, Oktober 1916, S. 160.
[134] WTA, LB Gustav Herkendell; LB Elisabeth Lang.
[135] Wachtturm, April 1918, S. 40. Jahrbuch 1974, S. 82.
[136] WTA, LB Ruth Warter.
[137] Jahrbuch 1974, S. 70.
[138] Jahrbuch 1974, S. 75.
[139] Wachtturm, Mai 1918, S. 40; vgl. Jahrbuch 1974, S. 82.
[140] Wachtturm, Dezember 1919, S. 194ff. Jahrbuch 1974, S. 86.
[141] Wachtturm, Dezember 1919, S. 195.
[142] Wachtturm, Januar 1921, S. 15.
[143] Wachtturm, Januar 1921, S. 16. Jahrbuch 1974, S. 88.
[144] WTA, LB Irmgard Becker.
[145] Wie erwähnt, gab es im Laufe der Zeit Änderungen im Namen der Gesellschaft, auf die hier nicht näher eingegangen wird. In den Vereinigten Staaten und Deutschland wurden jeweils unterschiedliche nichtkommerzielle juristische Körperschaften gegründet, die sich an den jeweiligen Landesgesetzen orientierten.
[146] Wachtturm, März 1908, S. 39f.; Watchtower, 15.12.1907, Reprints S. 4105.
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